Das Zschorlauer Passionsspiel

Das Anliegen

„Passion“ bezeichnet die letzten Abschnitte im Leben Jesu Christi mit den im Neuen Testament beschriebenen Geschehnissen die zu seiner Kreuzigung führten. Am Ende stehen aber für uns Christen nicht Tod und Hoffnungslosigkeit, sondern die Freude von Ostern über die Auferstehung Jesu. Die Botschaft, dass Jesus diesen Weg für uns gegangen ist, damit wir unverdient Versöhnung mit Gott erlangen können, ist Kernpunkt des christlichen Glaubens und steht daher im Zentrum jeder Verkündigung, jedes Gottesdienstes sowie der kirchlichen Musik und Kunst.

Passionsspiele wollen diese christliche Botschaft in einer besonderen Form vermitteln.

In ganz Europa gibt es mehr als 90 Orte, in denen in regelmäßigen Abständen Passionsspiele aufgeführt werden. Manche dieser Spiele nehmen einzelne Themen des Passionsgeschehens auf und verarbeiten sie für unsere gegenwärtige Situation, sind also besondere Verkündigungsspiele. Andere, und hierzu gehört das Zschorlauer Spiel, halten sich möglichst eng an die Evangelientexte und stellen die darin geschilderten Ereignisse, also biblisches Geschehen, dar. Im Zschorlauer Spiel wird versucht, das Passionsgeschehen weniger von unserem heutigen christlichen Standpunkt aus zu zeigen, sondern so, wie es damals die jüdische Bevölkerung „live“ erlebt haben dürfte. Die Menschen damals kannten den Ausgang nicht, konnten nicht wissen, wie sich die Geschichte entwickelt. Sie konnten die Kreuzigung Jesu nicht aus christlicher Sicht betrachten und davon ausgehen, dass diese Ereignissen die Welt so verändern, dass noch 2000 Jahre später Millionen Menschen in der ganzen Welt hierauf zurückblicken. Wir haben es da besser. Ziehen wir aber daraus die richtigen Lehren und Konsequenzen für unser Leben?

Der Text

In dem in den Jahren 1997/98 geschaffenen Text des Zschorlauer Passionsspiels, der vorrangig auf den 4 Evangelien des Neuen Testaments sowie dem Roman des polnischen Schriftstellers Roman Brandtstätter „Jesus von Nazareth“ basiert, finden sich die verschiedensten Bezüge zum jüdischen Glauben. Jüdische Namen und Begriffe werden verwendet, die in den gebräuchlichen Bibelübersetzungen nicht zu finden sind und ansatzweise werden jüdische Gebete und Rituale dargestellt.
Soweit wie möglich wird der Bibeltext übernommen, aber natürlich sollen die Dialoge auch Hintergründe und Zusammenhänge deutlich machen und stellen letztlich auch unsere Sichtweise auf das biblische Geschehen dar. Deutlich wird dies beispielsweise an der Sichtweise auf Judas Ischariot. Er ist im Zschorlauer Spiel nicht der Verräter, der aus finanziellen Eigeninteressen (wegen der 30 Silberlinge) den Verrat begeht, sondern ein von persönlichen und politischen Wünschen, Hoffnungen und Interessen, aber auch Zweifeln geprägtes Werkzeug Gottes.
Für die Spielzeit 2015 wurde der Text um eine Szene erweitert und erstmals umfassend überarbeitet. Seine generelle Konzeption und die meisten Dialoge blieben aber erhalten, so dass sie auch Grundlage für die nächste Spielzeit 2020 sein werden.

Die Mitwirkenden

Inzwischen ca. 170 ehrenamtliche Mitwirkende, Darsteller, Musiker und Helfer sind vor und hinter der Bühne rund um das Spiel im Einsatz. Diese kommen aus der Ev.-Luth. Landeskirche, der Ev.-meth. Kirche und der Landeskirchlichen Gemeinschaft der Ortsteile Zschorlau, Albernau und Burkhardtsgrün. Alle Darsteller sind Laien und keine ausgebildeten, professionellen Schauspieler. Deshalb spielt eigentlich jeder ein Stück von sich selbst und es ist nicht die schauspielerische Perfektion, sondern die aus dem persönlichen Glauben kommende innere Einstellung jedes Einzelnen, von der das Spiel getragen wird und von der die Zuschauer auch immer wieder etwas spüren. Die meisten Darsteller haben „ihre“ Rolle, die sie sich für die erste Spielzeit 2000 weitgehend selbst ausgesucht hatten, nunmehr bereits zum 5. Mal gespielt. Über die Wieder- oder aber teilweise auch Neubesetzung der Rollen wird dann spätestens im Jahr 2018 entschieden werden.

Die Musik

Die ersten Überlegungen gingen dahin, durch einen Chor und ein kleines Orchester bekannte Passionschoräle und -musiken in das Spiel einzubinden. Auf Anregung von Kantor Heiko Brosig wurde jedoch im Jahr 1999 der Potsdamer Musiker und Komponist Gisbert Näther sehr schnell dafür begeistert,  eine eigene Musik für das Spiel zu schaffen.

Fertig gestellt im Februar 2000 und zwischenzeitlich immer wieder an die Änderungen des Spiels angepasst, ist die Musik zu einem nicht mehr wegzudenkenden Highlight geworden.  Durch sie werden einzelne Szenen aufgewertet und miteinander verbunden. Bei den Aufführungen wird die Musik vom Passionsspielorchester, das bis auf den musikalischen Leiter ebenfalls aus Laien besteht, live gespielt.

Die Musik und die Qualität ihrer Darbietung machen das Zschorlauer Spiel durch die eigene Einmaligkeit zu etwas Besonderem.

Der Aufführungsort

Sport- und Spielhalle ZschorlauDie Aufführungen finden in der Zschorlauer Sport- und Spielhalle, als dem größten Raum im Ort statt. Sie kann erst unmittelbar vor den Aufführungen mit der 10 x 15 m großen Bühne und einer Bestuhlung für 704 Zuschauer eingerichtet werden. Um das Spiel den Zuschauern in einer angemessenen Atmosphäre präsentieren zu können, bedarf es für die technische Ausstattung, d.h. für Bühnen-, Licht- und Tontechnik der Unterstützung durch entsprechende Fachfirmen. Der Aufführungsort stellt damit einerseits eine besondere Herausforderung dar, bestimmt aber anderseits auch die Anzahl der möglichen Aufführungen, da die Sporthalle lediglich für die Zeit der Osterferien verfügbar ist.